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Die zwölf Stämme Israels

 
 

 

 

 

 

Die zwölf Stämme Israels

von Michael Freund

Einer der verlorenen Stämme Israels wieder gefunden

Im letzten August erlebte ich im äussersten Winkel Nordost-Indiens ein Wunder. 

Als ich mich in der Stadt Churachandpur in der Nähe der Grenze zu Burma befand, beobachtete ich erstaunt, wie Hunderte von Mitgliedern der Bne Menasche (Hebräisch für „Kinder Manassehs“), eine Gruppe, die von einem der zehn verlorenen Stämme Israels abstammt, sich versammelten, um auf Hebräisch zu singen und zu beten. 

Teils in Tränen und teils voller Freude bekräftigten sie so ihren Entschluss, ins Land ihrer Vorfahren, ins Land Israel, zurück zu kehren. 

Alle Anwesenden waren Schüler des Bildungszentrums, das von Shavei Israel geleitet wird. Dabei handelt es sich um eine in Jerusalem basierte Gruppe, (www.shavei.org) die ich mit dem Ziel gründete, „verlorenen Juden“, die zu ihrem Volk zurück zu kehren wünschen, zu helfen.

Die Geschichte der Bne Menasche ist in der Tat atemberaubend und widerspricht beinahe jeder logischen Erklärung. Trotz der über 2700 Jahre des Exils und der Verfolgung, gelang es ihnen, ihr jüdisches Erbe aufrecht zu erhalten und den Traum von Zion weiter zu nähren. 

Nun soll dieser Traum dank einem historischen Entscheid des israelischen Oberrabbinats, der die Bne Menasche als „Nachkommen Israels“ anerkennt, in Erfüllung gehen.

Beweise für die alte Verbindung der Bne Menasche mit dem jüdischen Volk sind reichlich vorhanden. Bei einem meiner Besuche in Indien lernte ich Jossi Hualngo kennen, einen 67jährigen Bürger von Aizawl, der Hauptstadt des Staates Mizoram, wo zur Zeit viele der Bne Menasche leben.

Zwei von Hualngos Onkel dienten als Dorfpriester. Mittels eines Dolmetschers gab er mir eine detaillierte Beschreibung der Zeremonien ab, welche jene jeweils abhielten. Seine Onkel, so sagt er, pflegten weisse Gewänder anzulegen, bevor sie Opferrituale durchführten. Dazu gehörte auch eines mit Fäden, die von dessen vier Ecken herunter baumelten und an einen Tallit mit „Arba Kanfot“ (viereckigen Gebetsmantel) erinnern, wie er von Juden getragen wird.

Im Frühjahr, zur Pessach-Zeit, pflegten sie durch das Darbringen eines Tieres ein jährliches Fest der Befreiung zu feiern, nicht jedoch, bevor sie dessen Blut an die Türpfosten der Leute schmierten, wie es die Israeliten während des Auszuges aus Ägypten taten. Laut Hualngo gehörte es tatsächlich zur Regel, dass die Priester das Fleisch ganz vorsichtig von den Knochen des Tieres lösen mussten, ohne diese zu brechen, wie es die Bibel in Bezug auf das Pessach-Opfer verlangt. (Exodus 12/46)

Dann begann Hualngo auf bemerkenswerte Weise eines der Gebete zu rezitieren, das seine Onkel während der Opferzeremonie in Gesangsform aufzusagen pflegen. Die Worte des Liedes und deren biblischer Ursprung sind unverkennbar: Terah, Abraham, Isaak, Jakob, das Rote Meer, Marah und Schiloh (Ort des alten Tabernakels und Hauptstadt der nördlichen Stämme Israels bis zur assyrischen Eroberung).

Dieses alte Gebet der Bne Menasche entspricht dem biblischen Bericht des Auszuges aus Ägypten: „Wir mussten das Rote Meer überqueren, unsere Feinde kamen uns mit Wagen nach, das Meer verschlang sie alle, als wären sie Fleisch. Wir werden am Tage von der Wolke geleitet, und durch das Feuer in der Nacht. Nehmt diese Vögel zum Essen und trinkt das Wasser, das aus dem Felsen fliesst.“

Für Ortsansässige von Mizoram besteht bezüglich des Ursprunges der Bne Menasche kein Zweifel. Lal Thlamuana, ein 45jähriger, treuer Christ, der Eigentümer und Leiter der lokalen Missionsschule ist, zweifelt nicht an den israelitischen Ursprüngen der Mizos (die örtliche Bezeichnung für den Stamm, der insgesamt etwa 800'000 Personen zählt und von dem die Bne Menasche stammen).

„Sogar christliche Mizos glauben, dass die Bne Menasche Nachkommen von Israel sind“, sagt er und fährt fort, indem er eine Anzahl der alten Gemeindebräuche und Traditionen beschreibt, wie etwa der Beschneidung eines neugeborenen Knaben am achten Tag, levirate Ehen und strikte Gesetze bezüglich der Menstruation, die alle dem jüdischen Gesetzt verblüffend ähnlich sind.

Die britischen Besetzungsmächte, so Thlamuana, bezeichneten die Mizo-Leute als Luschei, einer Fehlbetonung von Lu Se, was „Zehn Stämme“ bedeutet. Den Bne Menasche gemäss wanderten ihre Vorfahren, um der Verfolgung zu entfliehen, in den Süden Chinas ein, wo sie sich in Burma nieder liessen und sich dann westwärts dort hin bewegten, wo sich nun die indischen Bezirke Nizoram und Manipur befinden.

Im letzten Jahrzehnt sind etwa 800 Bne Menasche nach Israel ausgewandert. Sie dienen in der Armee, leben religiös jüdisch und sind produktive Mitglieder der israelischen Gesellschaft.

Zwei Mitglieder der Gemeinde wurden zu Rabbinern ordiniert, während ein weiterer als ausgebildeter Schreiber tätig ist, aus dessen Feder wunderschöne Esther-Schriftrollen entsprungen sind. Andere  haben sich bei Elitekampfeinheiten gemeldet, wo sie ihr Leben riskieren, um Gottes heilige Land zu verteidigen.

Dennoch hat das israelische Innenministerium im Sommer 2003 unverständlicher Weise beschlossen, die Alija der Bne Menasche einzufrieren, so dass es den restlichen 7000 noch in Indien verbliebenen Bne Menasche die Einreise hierher verweigerte.

Das soll sich aber nun alles ändern. Am 30. März beschloss der sefardische israelische Oberrabbiner während einer Sitzung, bei der ich anwesend war, dass die Bne Menasche als „Nachkommen Israels“ anzuerkennen sind.

Dies ist eine dramatische Wendung, die diesem verlorenen Stamm Israels nun wieder die Tore öffnet, um zum jüdischen Volk und nach Zion zurück zu kehren.

In der Hektik des Alltages kann man leicht vergessen, dass wir in einem ganz besonderen Zeitalter leben. So wie die Propheten es aber vor langer Zeit voraus sagten, haben die Zerstreuten Israels nun ihre lange Heimreise begonnen.

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Der Verfasser ist Gründer und Vorsitzender von Shave Israel (www.shavei.org), einer in Jerusalem basierten Gruppe, die „verlorenen Juden“ dabei hilft, zum jüdischen Volk zurück zu kehren. Er wirkte früher als Berater des Ex-Premierministers Benjamin Netanyahu und kann unter michael@shavei.org erreicht werden.

     
       
       
                       
           
   

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Stand dieser Seite:  21. Juli 2005

   
 

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