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Judah - das jüdische Volk

 
 

 

 

 

 

Judah - das jüdische Volk / Als Juden leben

von Rabbi Shalom Schwarz

Der Terror im Nahen Osten ist ein Weckruf für das gesamte jüdische Volk

Was wird das Ende der mörderischen Situation im Nahen Osten sein? Politische Experten sehen keine diplomatische Lösung am Horizont. Militärische Quellen bieten nur Übergangslösungen an, um den Terror einzudämmen und können keinen praktikablen Weg finden, um diesen Krieg zu gewinnen. Israel verliert die meisten Schlachten in den Medien, da viele Völker auf der Seite der Araber stehen.

Als ein Heckenschütze begann, unschuldige Zivilisten in Washington D.C. niederzuschiessen, fühlten Millionen von Menschen eine schreckliche Angst um ihr Leben. Die Sicherheit, die sie benötigten, um ein normales Leben zu führen, wurde untergraben. In den letzten zweieinhalb Jahren wurden hunderte von Israelis ermordet und tausende ernsthaft verletzt. Busse, Einkaufsläden, Restaurants und Hotels werden ständig angegriffen. Es ist klar, dass die Existenz des jüdischen Staates bedroht wird. Wie können die Menschen in Israel unter diesen Umständen ihr tägliches Leben führen?

Das ist genau das Ziel der Feinde Israels, den Überlebenswillen der Nation durch Furcht und Leiden zu lähmen. Mit dem Gefühl der Lähmung, die jede Terrorattacke begleitet, fragen wir uns: Wie viel mehr können wir ertragen? Wie viel länger können wir das Leben unserer Kinder riskieren?

An diesem Punkt müssen wir zurück schauen. Sicher befanden wir Juden uns schon früher in ähnlichen Situationen. Unsere Vorfahren standen massiver Bedrohung bezüglich Auslöschung gegenüber, aber sie haben überlebt. Wir, die wir heute leben, sind die Nachkommen dieser Überlebenden.

Was können wir von ihnen lernen, das uns leiten kann?

  • Sie sahen die Geschehnisse ihrer Zeit als die Erfüllung ihrer von Gott gegebenen Bestimmung.

  • Sie betrachteten ihre geistige Antwort als ebenso wichtig wie alle politischen, militärischen oder Informationsstrategien, die sie gegen ihre Verfolger anwendeten.

  • Sie glaubten, dass eine radikale persönliche und allgemeine Veränderung der Katalysator ist, um jede Bedrohung abzuwenden.

Seit Camp David 2000 wurde uns auf schmerzhafte Art und Weise bewusst, dass es bei diesem Konflikt nicht in erster Linie um Land geht. Es geht um die Juden.

Umfragen, welche im Oktober 2002 durchgeführt wurden, ergaben, dass 70 % der Israelis und 80 % der Palästinenser den Konflikt als eine Schlacht um die Existenz des jüdischen Staates sehen.

Viele von uns sind zu einem Zeitpunkt geboren worden, als der Staat Israel bereits existierte. Aber was würde geschehen, wenn sich die Feinde Israels vereinigen würden? Was würde geschehen, wenn die arabischen Armeen sich der 40'000 Mann starken palästinensischen „Polizeikraft“ anschliessen und versuchen würden, Jerusalem von den „jüdischen Ungläubigen“ zu „befreien“?

Die Antwort des jüdischen Volkes zum Ruf „Tod den Juden!“ war immer „Leben als Juden!“ Wenn das Böse uns als Zielscheibe benützt, weil wir uns für eine Welt einsetzten, die auf anderen Werten basiert, dann muss unsere Antwort sein, sogar noch leidenschaftlicher gemäss diesen Werten zu leben.

Heute gibt es eine Zunahme des Antisemitismus, aber er zeigt sich im Deckmantel des Antizionismus. Diese Angriffe auf die weitere Existenz des jüdischen Staates muss uns dazu bringen, uns einer ernsthaften persönlichen und nationalen Gewissensprüfung zu unterziehen.

Im Jahre 1948 betrachtete uns die Welt als die Juden, welche nach Zion zurückkehren – das jüdische Volk, welches aus der Asche des Holocaust aufersteht und in sein Heimatland zurückkehrt. Was werden sie erschaffen? Der moderne Zionismus sah in Israel einen sicheren Hafen vor dem Antisemitismus. Im Jahr 2002 existiert dieser sichere Hafen nicht mehr länger. Aber Israel hat eine viel grössere Bedeutung als nur ein Fluchtort zu sein. Es sollte als Sprungbrett für das jüdische Volk dienen, um seine Bestimmung auszuführen.

Im Angesicht der sich wiederholenden Angriffe haben die Bürger des jungen Staates Israel die meiste Zeit ihres Lebens damit verbracht, sich um ihr Überleben zu sorgen. Und wenn es eine Zeit gab, um Luft zu holen, dann mussten sie ein Land aufbauen: Strassen, Schulen, Infrastruktur und Organisationen. Wer hatte Zeit, um über ein höheres nationales Ziel nachzudenken? Es genügte zu wissen, dass Israel ein Fluchtort für alle Juden auf der Welt sein würde, sollten sie durch einen weiteren Holocaust bedroht werden.

Wer konnte sich vorstellen, dass die nächste Bedrohung für die Zerstörung von Millionen von Juden sich tatsächlich in den Grenzen von Israel abspielen würde?

Gläubige Juden in der ganzen Welt müssen sich selbst fragen:

  • Haben wir das Ziel des Staates Israel so sehr aus den Augen verloren, dass Israel uns weggenommen wird?

  • Haben wir unsere Möglichkeiten, ein jüdisches Heimatland aufzubauen, so sehr verschwendet, dass wir damit enden werden, dieses Land zu verlieren?

Elie Wiesel vergleicht das moderne Judentum mit einem Botschafter, dem auf den Kopf geschlagen wurde und der bewusstlos liegen blieb. Als er wieder aufwachte, konnte er sich nicht mehr an die Botschaft erinnern, wer ihn gesandt hat, zu wem er gesandt wurde, noch was der eigentliche Zweck von ihm als Botschafter ist.

Vielleicht haben wir den Blick für die Einzigartigkeit unserer Bestimmung verloren. Judentum ist viel mehr als eine Religion, viel mehr als eine nationale Identität. Es bedeutet, ein Licht unter den Nationen zu sein, die Welt zu reparieren und eine Quelle des Segens für die Menschheit zu sein. Und dies soll durch die Juden geschehen, die gemäss ihren Traditionen in ihrem angestammten Land leben, im Land Israel.

Wie kann die winzige jüdische Nation ein Katalysator für die Reparatur der Welt sein? Der christliche Gelehrte und Historiker Paul Johnson schrieb in seinem Bestseller „Geschichte der Juden“:

Eine Möglichkeit der Zusammenfassung von 4'000 Jahren jüdischer Geschichte besteht darin, uns selbst zu fragen, was mit der menschlichen Rasse geschehen wäre, wenn Abraham nicht ein Mann von grosser Klugheit gewesen wäre; oder wenn er in Ur geblieben wäre und seine höhere Erkenntnis für sich selbst behalten hätte und kein besonderes jüdisches Volk ins Leben gerufen worden wäre. Ganz gewiss wäre die Welt ohne die Juden ein radikal anderer Ort gewesen.

Alle grossen, konzeptionellen Entdeckungen des Intellekts (Verstandes) scheinen einleuchtend und unvermeidlich zu sein, wenn sie erst einmal enthüllt sind, aber es erfordert eine spezielle Begabung, sie das erste Mal zu formulieren. Die Juden besassen diese Gabe. Ihnen verdanken wir die Ideen der Gleichheit vor dem Gesetz, sowohl vor Gott wie vor Menschen; der Heiligkeit des Lebens und der Würde der menschlichen Person; des persönlichen Gewissens und damit der persönlichen Erlösung; des kollektiven Gewissens und damit der sozialen Verantwortung; des Friedens als ein abstraktes Ideal, der Liebe als Grundlage der Gerechtigkeit; und viele andere Dinge, welche die moralische Grundlage des menschlichen Sinnes bilden.

Stellen Sie sich ein Land vor, dessen moralische Strukturen so gewoben sind, dass alle diese Werte greifbar sind, wenn Sie ihren ersten Fuss in dieses Land setzen. Stellen Sie sich eine Wirtschaft vor, ein soziales und gesundes System, das sich von diesen Verpflichtungen ableitet und davon atmet. Stellen Sie sich ein Erziehungs- und Rechtssystem vor, dass auf dieser moralischen Grundlage basiert. Stellen Sie sich eine Nation vor, die es auf sich nimmt, einen 3'300 Jahre alten Bund zu erfüllen und ein Licht unter den Nationen zu sein. Wir waren immer ein Volk mit einem grenzenlosen Glauben und einer Hoffnung in die Zukunft.

  • Wir glaubten schon an unsere einzigartige Bestimmung, als wir im Exil lebten und von einem Land in ein anderes vertrieben wurden.

  • Wir erlitten Grausamkeit und Verlassenheit und fuhren fort, die Welt über einen liebenden Gott zu lehren.

  • Wir bemühten uns, Gutes in die Welt zu bringen und wurden dadurch zur Zielscheibe des grössten Übels der Welt.

Was wird das Ende dieser mörderischen Situation im Nahen Osten sein? Sie wird bestimmt nicht enden, bevor wir die Botschaft nicht beachten, eine Botschaft, die jedem besorgten Juden zugerufen wird. Ob in Israel oder in der Diaspora, ob jüdisch gelehrt oder jüdisch nicht gelehrt, ob gläubig oder nicht – dies ist ein Weckruf, unsere Banden zu unserem Volk zu überprüfen. Unsere jüdische Identität und unsere göttliche Mission zu bestätigen.

Genauso wie unsere Feinde nie unterschieden haben zwischen Juden, so müssen auch wir keine Ausnahmen machen. Es ist Zeit, aufzuwachen! Wir sitzen alle im gleichen Boot. ◊
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publiziert in www.aish.com

Übersetzung aus dem Englischen: Gabriela Michel, 24. Januar 2003

 


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Stand dieser Seite:  28. Dezember 2007

   
 

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